Vom Märchen über plastische Arbeiten bis zur allegorischen Malerei: Unsere Schulgemeinschaft überzeugte mit kreativen Beiträgen und großem Engagement.
Am Dienstag, den 2. Juni 2026, wurden die Berliner Preisträgerinnen und Preisträger des 73. Europäischen Wettbewerbs im Festsaal des Roten Rathauses ausgezeichnet. Unter dem Motto „Dein Europa: Recht, Respekt – Realität?!“ stand der Wettbewerb ganz im Zeichen der Menschenrechte. Anlässlich des 75. Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte setzten sich Kinder und Jugendliche kreativ mit Demokratie, Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinander.
Der bis auf den letzten Platz gefüllte Festsaal, die musikalische Eröffnung durch die Big Band des Heinz-Berggruen-Gymnasiums sowie die Grußworte von Katharina Borngässer (Europa-Union Berlin) und Staatssekretär Dr. Torsten Kühne machten deutlich, welche Bedeutung der Wettbewerb besitzt. In seiner Ansprache betonte Kühne, dass Menschenrechte heute aktueller denn je seien und Demokratie nicht nur vermittelt, sondern täglich gelebt und verteidigt werden müsse.
Auch unsere Schule war in diesem Jahr erfolgreich vertreten. Emily Lalaj, Klasse 7.2, wurde für ihr Märchen „Schneewittchen und die Sieben Beschützer“ ausgezeichnet, das im Modul „Kinderrechte – (k)ein Märchen?“ entstand. Das Märchen ist – neben vielen weiteren – in unserem Buch „Mildreds Märchenstunde“ nachzulesen, das in unserer Schulbibliothek steht. Das Projekt um die Märchen finden Sie unter diesem Link: Bericht zu Mildreds Märchenstunde
Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Teamarbeit von Laura Schmidt und Emilia Schäfer, beide 7.2, die im Kunstunterricht im Modul „Lebendige Menschenrechte in Europa“ das Recht auf friedlichen Protest und Meinungsfreiheit kreativ interpretierten. Weitere Arbeiten des Kurses sind in der Galerie zu sehen:
Doch nicht nur die Preisträgerinnen verdienen Anerkennung. Zahlreiche weitere Lerngruppen unserer Schule beteiligten sich mit großem Engagement am Wettbewerb und setzten sich auf vielfältige Weise mit den Menschenrechten auseinander:
Meinungsfreiheit - ein hohes Gut mit Grenzen!
Der Ethikkurs der Jahrgangsstufe 9 beschäftigte sich im Modul „Klare Stimme – offenes Ohr“ mit dem Thema Meinungsfreiheit. Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema Freiheit entstanden kreative Kurzgeschichten und Gedichte, die eindrucksvoll zeigen, wie wertvoll, aber auch wie verletzlich die Meinungsfreiheit ist und wo ihre Grenzen liegen. So verfasste Bilal Karaca eine Kurzgeschichte, die im Fantasy-Genre zeigt, wie die verdunkelten Zungen durch den Lichtkrieger wieder zum Leuchten gebracht werden können. Eine weitere Kurzgeschichte zeigt, wie das Einstehen für die Meinungsfreiheit sich auszahlen kann. Eine beeindruckende Rede gibt den Gedanken einer Schülerin Raum und ein Gedicht zeigt lyrisch, wie die symbolischen Vögel ihre Lieder frei singen möchten.
Frau Mittmanns Wahlpflichtkurs Kunst aus Klasse 9 beteiligte sich ebenfalls am Wettbewerb und behandelte das Modul „Hier bin ich Mensch – hier darf ich’s sein!“, das die Einzigartigkeit eines jeden Menschen in den Vordergrund stellt. Paulina und Josephine reichten eine Malerei ein, die zeigen soll, was unsere Freiheit in Europa ausmacht.
Manipulierte Gedanken und Wohnen als Menschenrecht!
Auch die drei Basiskurse Kunst der Jahrgangsstufe 11 von Frau Henneck, Herrn Kratz und Frau Mittmann beteiligten sich mit großem Engagement am Europäischen Wettbewerb. Alle Kurse arbeiteten im Bereich der plastischen Gestaltung und entwickelten dreidimensionale Werke, interpretierten die Wettbewerbsthemen jedoch auf ganz unterschiedliche Weise.
Frau Mittmanns Kurs setzte sich mit der Siegesgöttin Nike auseinander und interpretierte die antike Figur als zeitgemäßes Symbol für Menschenrechte, Freiheit und demokratische Werte neu. Die entstandenen Arbeiten verbinden kunsthistorische Bezüge mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und zeigen eindrucksvoll, wie klassische Motive heute neu gelesen werden können.
Die Kurse von Frau Henneck und Herrn Kratz gingen einen offeneren Weg. Die Schülerinnen und Schüler erhielten keine thematischen Vorgaben, sondern mussten eigenständig Ideen entwickelten, Schwerpunkte setzen und künstlerische Konzepte erstellen. Gerade diese Freiheit stellte eine besondere Herausforderung dar: Zunächst musste ein eigener inhaltlicher Rahmen gefunden werden, bevor die gestalterische Umsetzung beginnen konnte. Dadurch entstanden sehr individuelle Arbeiten, die die persönliche Auseinandersetzung mit den Menschenrechten widerspiegeln.
Ein Großteil der Werke orientierte sich am Modul „Die Gedanken sind frei“, das sich mit Manipulation, freiem Denken und dem Recht auf eine eigene Meinung beschäftigt. Andere Arbeiten griffen das Modul „Wohnen als Selbstverständlichkeit?!“ auf und thematisierten das Wohnen als grundlegendes Menschenrecht, oder befassten sich mit dem Sondermodul, welches anlässlich des Jubiläums die Menschenrechte und deren Einhaltung generell thematisierte. Die große Bandbreite der entstandenen Plastiken verdeutlicht, wie vielfältig sich gesellschaftliche Themen künstlerisch interpretieren lassen und wie unterschiedlich die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Perspektiven einbrachten.
Allegorische Malerei als Spiegel der Werte
Der Leistungskurs Kunst der Jahrgangsstufe 13 von Herrn Kratz widmete sich den Menschenrechten in allegorischen Malereien. Dabei entstanden beeindruckende Werke, die kunsthistorische Vorbilder aufgriffen und zeitgemäß interpretierten. Bereits beim Kulturnachmittag vergangenen März begeisterten die Arbeiten durch ihre gesellschaftskritischen Aussagen und ihre künstlerische Qualität. Den Beitrag dazu finden Sie hier: Bericht zum Kulturnachmittag
Ein weiterer Erfolg konnte der Leistungskurs Kunst verbuchen: Zwei der entstandenen Arbeiten wurden für die Berliner Plakataktion Du bist am Zug ausgewählt, wobei die Stencil-Arbeit nicht im Rahmen des Wettbewerbs entstanden ist. Im Rahmen dieser Initiative werden künstlerische Arbeiten großformatig gedruckt und an wechselnden Orten im Berliner Stadtgebiet ausgestellt. Wo genau die Plakate zu finden sind, bleibt allerdings ein Geheimnis. Deshalb laden wir alle herzlich zu einer kleinen Entdeckungstour ein: Halten Sie Ausschau nach Freias feministischer Medusa oder nach Liliths eindrucksvoller Stencil-Arbeit, die mit dem Vorurteil aufräumt, ein kurzer Rock sei eine Einladung. Vielleicht begegnen Ihnen die beiden Werke schon auf dem Weg zur Schule oder an der nächsten Straßenecke
Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern sowie allen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern herzlich. Der Europäische Wettbewerb zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie kreativ, kritisch und engagiert sich junge Menschen mit den Werten unserer Demokratie auseinandersetzen – und dass Kunst und Literatur wichtige Stimmen für Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt sein können.
Ebenso möchten wir den betreuenden Lehrkräften danken. Sie vermitteln die Werte des Europäischen Wettbewerbs nicht nur im Unterricht, sondern leben sie Tag für Tag vor. Mit viel Engagement schaffen sie Räume für Kreativität, Diskussion und gesellschaftliche Verantwortung, begleiten ihre Schülerinnen und Schüler auf dem Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Werk und bestärken sie darin, ihre eigenen Gedanken sichtbar zu machen. Der schönste Moment ist dann jener, wenn aus wochenlanger Arbeit strahlende Gesichter werden und die Schülerinnen und Schüler unter dem Applaus des Saales ihre Urkunden und Preise entgegennehmen. Solche Augenblicke zeigen, wie wertvoll Bildung ist, wenn sie Wissen, Kreativität und demokratische Werte miteinander verbindet.
Bilder/Text: Kaz