Mildreds Märchenstunde

... weil Kinderrechte keine Märchen sind!

Im Ethikunterricht setzte sich die Klasse 7.2 im vergangenen Halbjahr intensiv mit den Kinderrechten auseinander. Die Lernenden erfuhren, welche Rechte es gibt, vertieften bereits bekannte Inhalte und erarbeiteten deren Bedeutung für das eigene Leben und unsere Gesellschaft. Dabei ging es nicht nur um Theorie, sondern um die konkrete Frage: Was bedeuten Kinderrechte im Hier und Heute?

Im Rahmen des diesjährigen Europäischen Wettbewerbs zum Thema Menschenrechte entstand daraus das Projekt Märchen neu zu erwecken. Als Ausgangspunkt diente das Märchen „Das kalte Herz“, das gemeinsam analysiert, modernisiert und unter dem Blickwinkel der Kinderrechte neu interpretiert wurde. Anschließend entwickelten die Schülerinnen und Schüler eigene Märchen – kreativ, kritisch und mit beeindruckender Fantasie.

Die Autoren lesen ihre eigenen Werke.

In den entstandenen Geschichten begegnet beispielsweise Schneewittchen sieben Beschützern, die ihr jeweils ein Kinderrecht vermitteln und sie stärken, sich gegen Ungerechtigkeit zu behaupten. Hänsel und Gretel erleben Eltern, die erkennen, dass Fürsorge kein optionales Verhalten, sondern ein grundlegendes Recht ihrer Kinder ist. Rapunzel wird als Content-Produzentin im Turm festgehalten und kämpft um ihr Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung. Aus Rotkäppchen wird „Drogenkäppchen“, das einem suchtkranken Menschen anstatt eines Wolfes begegnet und daraus eine Anti-Drogenkampagne ins Leben ruft. Der Froschkönig erscheint als selbstverliebte „Red Flag“, die nur nach Ruhm und Viralität strebt – bis Werte wie Respekt und Ehrlichkeit im neuen Märchen wichtiger werden als Likes.

Neben diesen Neuinterpretationen klassischer Vorlagen entstanden sogar zwei vollständig neue Märchen ohne literarisches Ursprungsmotiv. Auch sie greifen Kinderrechte auf und beweisen, dass gesellschaftliche Themen nicht nur adaptiert, sondern eigenständig und mutig weitergedacht werden können.

Die Vielzahl gelungener Beiträge machte es schwer, nur wenige Geschichten für die Einreichung beim Europäischen Wettbewerb auszuwählen. Fünf Märchen sind nun im Rennen – wir drücken die Daumen und blicken gespannt auf die Ergebnisse. Um jedoch alle Leistungen zu würdigen, entstand die Idee eines gemeinsamen Buchprojekts: „Mildreds Märchenstunde – Weil Kinderrechte keine Märchen sind“.

Exemplare des Märchenbuchs stehen nun in der Schulbibliothek.

Im Kunstunterricht wurden die Texte durch ausdrucksstarke Illustrationen ergänzt. Unsere Schulbetreuerin Frau Ortmann unterstützte die Klasse dabei tatkräftig und übernahm zusätzlich die Illustration jener Geschichten, deren Autorinnen und Autoren krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnten.

Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Lernenden für ihre Kreativität, ihr Engagement und ihre ernsthafte Auseinandersetzung mit einem zentralen gesellschaftlichen Thema. Ebenso danken wir Frau Ortmann für ihre Unterstützung sowie der Schulleitung, die die Realisierung des Märchenbuches ermöglicht und damit gezeigt hat, wie wertvoll und sichtbar Unterrichtsergebnisse sein können.

Nicht zuletzt knüpft das Projekt auch an das Vermächtnis unserer Namensgeberin an. Mildred setzte sich mutig und entschlossen für Menschenrechte ein und leistete Widerstand gegen das NS-Regime. Ihr Engagement erinnert uns daran, dass Rechte niemals selbstverständlich sind – und dass es Menschen braucht, die für sie einstehen.

Exemplare von „Mildreds Märchenstunde“ sind ab sofort in der Schulbibliothek verfügbar. Lehrkräfte und Lernende sind herzlich eingeladen, darin zu lesen und sich selbst davon zu überzeugen: Kinderrechte sind keine Märchen.

Stolze Autoren

Stimmen aus der Klasse

Die Rückmeldungen der Lernenden zeigen, wie intensiv und positiv das Projekt erlebt wurde. Mehrere Schülerinnen und Schüler betonten, wie viel Freude ihnen das gemeinsame Arbeiten bereitet habe. 

Besonders gefallen hat mir die Geschichte mit einem Freund zu schreiben. Es war sehr spannend die anderen Märchen zu lesen. Ich fand es sehr toll.

Auch das kreative Moment wurde immer wieder hervorgehoben:

Mir hat am besten das kreative Arbeiten gefallen.

Mir hat gefallen, dass wir moderne Märchen geschrieben haben und die Kinderrechte darin verarbeitet haben.

Neben der Kreativität spielte vor allem der inhaltliche Lernzuwachs eine große Rolle. Mehrere Lernende berichteten, dass sie im Verlauf des Projekts neue Kinderrechte kennengelernt und deren Bedeutung besser verstanden hätten:

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, auf Kinderrechte zu achten und außerdem habe ich auch mehr Kinderrechte kennengelernt.

Während des Projektes habe ich einiges über Kinderrechte gelernt. Ich kannte vorher zum Beispiel nicht das Recht auf Information für Kinder. Was mir besonders gefallen hat ist, dass unsere Geschichten alle in einem Buch zusammengefasst wurden.

Auch die Arbeitsatmosphäre wurde als positiv beschrieben. Einige empfanden das Schreiben und Illustrieren als entspannende und willkommene Abwechslung zum regulären Unterricht:

Mir hat das Malen und Schreiben gefallen, weil es entspannt war und eine Abwechslung zum normalen Unterricht war.

Darüber hinaus wurde die kreative Freiheit als stärkend erlebt:

Bei dem Projekt habe ich gelernt, wie kreativ und einfach man eine Geschichte schreiben kann. Mir hat die Kreativität von jedem gefallen.

Mir hat besonders gefallen, wie sehr es Spaß gemacht hat, obwohl ich nicht gern schreibe.

Und schließlich zeigt eine augenzwinkernde Rückmeldung, dass das Projekt auch Selbstvertrauen in die eigene Ausdrucksfähigkeit gestärkt hat:

Ich habe gelernt, dass man auch ohne Chat GPT eine Geschichte schreiben kann.

Diese Stimmen machen deutlich: Das Projekt hat nicht nur Wissen über Kinderrechte vermittelt, sondern Kreativität gefördert, Selbstwirksamkeit gestärkt und Freude am eigenen Ausdruck geweckt.

Bericht/Bilder: Kaz